Die Uni, die Bücher und ich – mittendrin

Man sollte meinen, als Student hat man alle Zeit der Welt. Also auch viel Zeit, um viele Bücher zu lesen.
Naja, so ganz stimmt das nicht mit der Realität überein. Leider.

Ich hatte euch auf Instagram gefragt, welcher Beitrag euch denn am meisten interessieren würde und ein wenig hat es mich dann doch überrascht, das so viele mehr zu dem oben genannten Thema erfahren wollten. Und natürlich will euch meine Gedanken, mein Hirngeblubber nicht vorenthalten, zumal vielleicht auch einige bereits in der Oberstufe sind und dann auch bald das Abenteuer Universität ansteht.

Sprechen kann ich hiermit nur für mich, meine persönliche Erfahrung und meinen Studiengang an meiner Universität, dies kann natürlich von Person zu Person unterschiedlich sein, aber ich hoffe dennoch, dass ihr etwas daraus mitnehmen könnt, egal was.

Wie ihr eventuell schon wisst, habe ich vor fast genau einem Jahr die Schule beendet. In diesem Jahr habe ich circa 70 Bücher gelesen, im ersten halben Jahr ein paar weniger durch die Abiprüfungen und danach wieder ein paar mehr, da ich dann ja Zeit hatte zu lesen. Ich habe im Urlaub sogar mal sechs Bücher in einer Woche verschlungen, einfach weil ich die Zeit dazu hatte, nichts worum ich mich kümmern musste.

Und dann kam der Umzug und die Uni und seitdem ist es anders. Nicht gut, nicht schlecht, einfach anders.

Also ich studiere im zweiten Semester Germanistik, eine Sprach – und Literaturwissenschaft. Das heißt ganz simpel, dass ich mich hier mit der deutschen Sprache und Literatur beschäftige, ergo viele viele Texte lesen, sei es Fachliteratur oder Novellen, Romane, Gedichte und Manifeste. Und das ist des Pudels Kern! (Ha, Pudels Kern! Faust… Goethe… Was für ein grandioses Wortspiel, Carla. Applaus…)

Ich bin ziemlich eingebunden von der Uni durch Seminare und Vorlesungen nacharbeiten und vorbereiten, Texte lesen, generell zur Uni gehen und teilweise bis zu 10 Stunden dort verbringen und das ist nur der „normale“ Teil. Später im Semester kommt dann zusätzlich noch die Vorbereitung auf die Klausuren und die Klausurenphase hinzu.

Studieren ist ein Vollzeitjob, der nicht wenig Zeit, Engagement und Eigenverwaltung in Anspruch nimmt!

Und wer etwas anderes behauptet, hat entweder seit 30 Jahren keinen Hörsaal mehr von innen gesehen oder studiert mal „so neben bei“…
Und genau das ist der Grund, weshalb ich kaum noch dazu komme Bücher zu lesen. Mir fehlt häufig die Zeit, aber vor allem die Lust. Denn ich empfinde es nach einem langen und anstrengenden Unitag meist einfacher und entspannter eine Serie zu gucken und nicht selbst so viel Denken zu müssen.
Denn wenn ich ein Buch lese, will ich in die Geschichte eintauchen, das Kopfkino genießen, gemeinsam mit dem Protagonisten Abenteuer erleben und mich in weit entfernten Galaxien befinden. Doch das ist Arbeit. Eine schöne Arbeit, keine Frage. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es einfacher ist, seinen Kopf auszuschalten und sich nur von einer Serie oder auch einem Film berieseln zu lassen, anderen die Arbeit überlassen für die Bilder in meinem Kopf zu sorgen.

Und so schleichen sich leider auch schnell Leseflauten ein, die dann umso schwerer zu überwinden sind, weil man sich in einer Art Teufelskreis befindet. Dennoch versuche ich mir zum Beispiel abends oder wenn ich eine Weile in der Bahn sitze oder mal wieder auf die Bahn warten muss, ein paar Minuten Zeit zu nehmen und zu lesen. Da finde ich – vor allem unterwegs – meinen E – Book Reader sehr praktisch, da er nicht viel Platz einnimmt, leicht ist und ich komischerweise dort auch besser auf Englisch lesen kann. Es ist zwar nicht viel, was ich dabei schaffe, aber besser als nichts. Und selbst das wäre nicht schlimm, es wird immer mal wieder eine Zeit geben, in der man keine oder kaum Zeit findet, um ein Buch zu lesen, da wahrscheinlich andere Dinge eine höhere Priorität haben. Und das ist okay so.
Sei nicht enttäuscht von dir, weil du nicht die 50 Bücher im Jahr gelesen hast, die du dir vorgenommen hast, sondern freue dich, was für 20 tolle Bücher du gelesen hast und wie sich dich beeinflusst haben. Sei es, dass sie dir eine eine schöne Zeit beschert haben oder dich sogar angeregt haben, die mehr Gedanken dazu zu machen.

Ich beschwere mich hiermit keineswegs über mein Studium, die Art, wie Studieren funktioniert, noch über meine Uni oder dergleichen, ich bin zufrieden damit und bin gespannt, was es noch alles für mich bereithält. Nur die Umstände haben einfach mein Leseverhalten verändert. Dennoch bin ich nicht enttäuscht darüber, da sich mir eine ganz neue Welt eröffnet hat und ich noch jung genug bin, trotzdem alle Zeit der Welt zu haben um (mehr) zu lesen, sei es nun morgen, in einem Monat oder erst in einem Jahr. Das ist egal.
Denn Bücher werden immer auf dich warten und immer für dich da sein. Und tragen es dir auch nicht nach, wenn du mal keine Zeit für sie hast. Bücher sind deine stillen Freunde, die dir dennoch so viel zu sagen haben und es nur tun, wenn du es möchtest.

Was ich euch noch am Ende mitgeben möchte:

Falls du, der das hier gerade liest, noch Schüler oder Ähnliches bist, genieß die Zeit, die du hast und nutze sie um zu lesen. Denn schneller als du denkst, ist diese Zeit vorüber und du merkst, wie sich deine Prioritäten verschoben haben und du nun deine Lesezeit für andere Dinge nutzen musst oder willst.
Sieh eine Erkältung nicht als Krankheit, sondern als Zeit, die du zum Lesen nutzen kannst. (Natürlich nur, wenn du dich in der Verfassung dazu fühlst 😉 )
Und nutze lange Zug- und Autofahrten und Flüge, um ein wenig in deinem Buch weiterzulesen, du wirst sehen, wie schnell die Fahrt vorüber geht.

Berichtet doch gerne mal eure Ansichten zu dem Thema! Seid ihr noch Schüler oder auch Student, wie ich? Oder vielleicht bereits im Berufsleben?
Was hat das bei euch verändert, wie habt ihr euch verändert?

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9 Gedanken zu “Die Uni, die Bücher und ich – mittendrin

  1. Wow bei mir ist es vollkommen anders. Ich lese mehr Bücher, jetzt wo ich studiere, als damals in der Schule 😄😄
    Ich bin jetzt im vierten Semester und habe nur 2x die Woche Uni: also viel Zeit. Ich habe mir meinen Stundenplan echt gut legen können und dadurch habe ich auch immer um 14 Uhr schon wieder aus. Ich bin auch nicht eine, die viel nacharbeitet und in meinen Seminaren interessiert sich der Dozent nicht dafür, ob man die Texte liest oder nicht. Also es kommt auch immer auf den Dozenten an. Auch in meinen Vorlesungen gibt es nicht viel nachzuarbeiten meiner Meinung nach, da sie verständlich sind.
    Also ich bin da ganz anders als du, aber kam immer gut durch mit guten Noten. Kommt aber natürlich such auf den Studiengang an, ich will mir gar nicht vorstellen wie viel Medizin oder Jurastudenten zu lernen haben 😀 Ich mach mir nicht gerne Stress, da ich sonst in Panik ausbreche. 😀

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    1. Ja das ist einfach bei Jedem unterschiedlich.. ich bin halt jetzt im zweiten Semester noch voll in der Grundlagen Phase und muss deshalb auch einiges dafür tun. Ich denke mal, dass das dann in den Vertiefungsmodulen besser wird, ich habe auch im Moment 5 mal die Woche fast immer 6h Uni plus Nachbereitung und Klausuren. Ab dem dritten Semester habe ich dann auch nur noch Hausarbeiten, da denke ich wird das auch ein wenig besser.
      Aber wie gesagt, das ist bei jedem anders und das ist ja auch nicht schlimm 😉

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  2. Ich bin seit 12 Jahren mit der Schule fertig, habe eine Ausbildung gemacht und stehe voll im Berufsleben.
    Da ich mit dem Zug zur Arbeit fahre, nutze ich die Zeit zum Lesen (habe mir dafür einen eReader zugelegt).
    Ansonsten ist es unterschiedlich, mal lese ich mehr, mal weniger. Auf jeden Fall ist es nach Feierabend entspannend nicht mehr auf den PC Bildschirm zu starren, sondern zu lesen. Meist tue ich das abends im Bett, bevor ich schlafen gehe muss ich noch ein wenig lesen.

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  3. Ach Carla, du hast ja so recht!
    Aber in Germanistik bekommt man ja auch so genug zum Lesen – ob es immer den Interessen entspricht, ist eine andere Sache – sodass es ja doch nicht ganz aus meinem (oder unserem ;D) Leben verschwunden ist. Vielleicht sind wir unserem Studium gegenüber auch nur ambitionierter als manche, die die Uni auf die leichte Schulter nehmen . 🙂
    Freue mich wahnsinnig auf den Urlaub und hoffe, endlich die zwei Bücher lesen zu können, die schon so lange traurig unberührt im Schrank neben gelben Reclamheftchen stehen. 😂

    Liebe Grüße
    Eine Kommilitonin 😊

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    1. Danke, Alina! 😀
      Ja das hast du auf jeden Fall recht, dass das auch nochmal eine andere Sache ist, wenn man vom Studium her schon viel Belletristik liest.. Aber genau deswegen studieren wir es ja auch 😉
      Gott, du glaubst nicht, wie viele Bücher noch abzuarbeiten habe xD aber das ist ja nicht unbedingt schlimm ;D
      Das kenne ich… kriege mittlerweile schon fast ein kleines Regal voll mit den gelben Monstern! :´D

      Viel Spaß und Erholung im Urlaub!

      Liebe Grüße, Carla

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  4. Ich bin ja froh, dass ich immerhin nicht für die Uni lesen muss. Zwar habe ich als Pharmazie-Studentin auch ein ordentliches Arbeitspensum, aber das involviert keine Lektüren. Mit unserer Fachliteratur könntest du dafür einen Mord begehen, meinen heißgeliebten Mutschler kann man nur an einem Tisch lesen: Seiten größer als DIN A4 und davon glaube ich fast 1000… So ein Reclam-Heftchen ist da wesentlich ungefährlicher 😀

    Liebe Grüße,
    lena

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    1. Hey Lena!

      Ja so hat jedes Studium seine Vor- und Nachteile…
      Es kommt ja auch immer auf einen selbst an, wie man damit umgeht, deshalb möchte ich bei solchen Themen nicht pauschalisieren und spreche nur für meine Erfahrungen.
      Und gerade deswegen freut es mich immer sehr, wenn ich Feedback von anderen bekomme, denen es ähnlich oder auch ganz anders geht!
      Wenn wir nicht alle unterschiedlich gestrickt wären, wäre die Welt ja auch viel zu langweilig 😉

      Liebe Grüße,
      Carla

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  5. Liebe Carla,
    was du hier beschreibst, kenne ich von mir und sehe es auch immer wieder bei den Studienanfängern. Ich habe auch in den ersten Semestern des BA Germanistik weniger gelesen und so richtig viel wurde es dann erst wieder kurz bevor ich den Master angefangen habe. Manchmal braucht es einfach etwas Zeit und das neue Verständnis für Literatur, was mit dem Studium kommt. Geduld.
    LG

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